Fachkraft Kunst und Gestaltung - Berufsbegleitende Weiterbildung mit Zertifikat

Zwei Kinder

Das Arbeitszentrum Fort- und Weiterbildung bietet ab Februar 2010 eine berufsbegleitende Weiterbildung „Fachkraft Kunst und Gestaltung“ an. Das Angebot richtet sich an Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen. Vorkenntnisse in Kunst und Gestaltung sind nicht erforderlich.

Bildung kommt von „sich ein Bild von der Welt machen“. Das aber kann man nur tun, wenn man vielfältige Erfahrungen mit der Welt machen darf. Deshalb ist es eine Grundvoraussetzung für jede spätere Bildung, Kindern zahlreiche Möglichkeiten zu bieten, unterschiedliche Materialien, Gegenstände, Handwerke so gut kennen zu lernen, dass sie sich diese „einverleiben“, d.h. verinnerlichen können. Auf diese Weise wird das Gehirn strukturiert, Nervenbahnen angelegt, die es später erlauben, Erfahrungen aus einem Bereich auf einen anderen zu übertragen. Da Kinder viele Grunderfahrungen heute gar nicht mehr selbstverständlich machen können, ihnen also Gelegenheit zur Selbstwirksamkeit fehlt, ist diese Weiterbildung so angelegt, dass neben dem klassischen Malen und Zeichnen vor allem einfache, leicht zugängliche Materialien einen Schwerpunkt bilden: Äste und Zweige, Sand und Erde, Schnur und Faden, Papier und Pappe.

Aus den Erfahrungen damit werden theoretische Erkenntnisse abgeleitet und vertieft: Grundlagen der Kreativitätsförderung, Elemente der Gehirnforschung, Entwicklung der Kinderzeichnung, Aspekte der Entwicklungspsychologie. Gleichzeitig lernen die Teilnehmenden ein breites Angebot an Techniken, Materialien, Handwerkszeug kennen. Die Themen Aufbau eines Ateliers, Arbeit in Projektform und Kinder und Kunst runden das Angebot ab.

Zielgruppe: Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen

VORKENNTNISSE NICHT ERFORDERLICH!

Umfang: 10 × 2 Fortbildungstage (9 – 17 Uhr)

Von Februar 2010 bis Mai 2011 jeweils Freitag und Samstag

- Praxisaufgaben und schriftliche Aufgaben

- Erfahrungsaustausch und Beratung

- Durchführung eines Projektes in der Praxis mit

schriftlicher Dokumentation und Reflexion

- Abschluss: Präsentation des Projektes vor

einer Jury

Zertifikat: Fachkraft Kunst und Gestaltung in der Kindertagesstätte

Referentin: Mara Anders, Dozentin Kunst und Gestaltung, Künstlerin

Kosten: 1607 Euro / evangelische: 1422 Euro (inklusive Materialkosten)

Die Anmeldung erfolgt verbindlich für alle Kursabschnitte

(fragen Sie nach Ratenzahlung)

Termine und Inhalte der einzelnen Abschnitte:

WEGE ZUM MALEN 1

Malen und Farbexperimente Fr/Sa 12./13.Februar 2010

Ich male also bin ich. Nur was man selbst ausprobiert hat, kann man überzeugend weitergeben. Deshalb begeben wir uns zum Einstieg in diese Weiterbildung auf die Spur der eigenen Schöpferkraft und werden verschüttete Zugänge und stabile Mauern umgehen, um die vielfältigen Möglichkeiten der Bildgestaltung zu erproben. Dabei steht nicht nur die eigene Freude am Experimentieren, am Malen, am Farben Mischen im Mittelpunkt. Wir werden jeweils auch überlegen, wie man die verschiedenen Techniken mit Kindern anwenden kann und Methoden entwickeln, wie man Kinder, die nicht gerne malen und zeichnen Anregungen geben kann.

VOM ZEICHEN ZUR SCHRIFT

Entwicklung der Kinderzeichnung Fr/Sa 19./20. März 2010

Aufbauend auf dem ersten Abschnitt, wird durch weitere eigene Mal- und Zeichenversuche ein grundlegendes Verständnis für den Weg von der ersten Kritzelspur bis zum differenzierten Kinderbild geweckt. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Kinder in ihren Ausdrucksformen fördernd begleitet werden können. Kinder setzen den Prozess ihrer Selbstbildung in Zeichnungen um und zwar von dem Moment an, wenn sie einen Stift halten können. Die Bedeutung auch der aller ersten Kritzelbilder wird häufig unterschätzt und damit auch diese erste Chance für Kinder, die Erfahrung zu machen, dass sie selbst Zeichen setzen und Zeichen lesen können noch bevor das eigentliche Schreiben beginnt. Wir setzen uns in diesem Kurs mit der Bedeutung der Kinderzeichnung auseinander und entwickeln Möglichkeiten, Kinder anzuregen.

Die Teilnehmenden werden gebeten, Kinderzeichnungen aller Altersstufen aus ihrer Praxis mitzubringen.

SUCHEN, SAMMELN, FINDEN
Gestalten mit Fundstücken Fr/Sa 7./8. Mai 2010

Suchen, Sammeln, Finden – Grundvoraussetzungen eines jeden kreativen Prozesses. Kinder sind Sachensucher. Wie man diese Tätigkeit unterstützen und begleiten kann, um das kindliche Verständnis und den kindlichen Ausdruck zu fördern, ist das Hauptthema dieses Abschnittes. Das Fundstück, auf das ich spontan reagiere, ist Ausgangspunkt für weitere Schritte zur Gestaltung. Dabei ist es gleich(ermaßen)gültig, ob das Fundstück aus der Natur stammt oder vom Schrottplatz oder ob es mir am Straßenrand, auf dem Dachboden oder in der Küche begegnet ist. In diesem Abschnitt werden wir uns mit künstlerischen Techniken wie der Assemblage beschäftigen, aber auch mit Grundlagen der Kreativitätsförderung.

Die Teilnehmenden werden gebeten, mehrere Fundstücke zum Be- und Verarbeiten mitzubringen

FORMLOSE MASSEN
Sand, Erde, Ton Fr/Sa 11./12. Juni 2010

Weich oder hart, trocken oder nass, hell oder dunkel – jeder Zustand dieser erdigen Materialien erlaubt und fordert eine andere Umgehensweise. Das Gestalten mit ihnen knüpft an früheste Grunderfahrungen an: im Sandkasten, am Strand, beim Gärtnern. Da sie so leicht zu bearbeiten sind, erlauben sie persönlichen Ausdruck beim Gestalten und geben durch ihre unspezifische Beschaffenheit unmittelbar Antwort auf unsere Eingriffe. Wir werden unterschiedlichste Methoden kennen lernen, wie man mit diesen Materialien bildnerisch gestalten kann. Gleichzeitig wird den Grunderfahrungen nachgespürt, die Kinder hierbei machen.

AUF BIEGEN UND BRECHEN
Zweige, Äste, Holz Fr/Sa 10./11. September 2010

Form und Beschaffenheit von Zweigen, Ästen und Holz fordern dazu heraus, mit ihnen zu bauen, zu konstruieren, zu gestalten. Vielfältige Verbindungen werden benötigt, um den Konstruktionen Halt zu geben: Schrauben, Nageln, Binden, Verdrahten. Auch das einzelne Holz fordert zur Verarbeitung heraus: Entrinden, Brechen, Sägen, Schnitzen, Schleifen. Und das sind nur die naheliegenden Tätigkeiten, zu denen sie anregen. Man kann darüber hinaus damit malen, graben, bohren, stützen, biegen...

In diesem Abschnitt werden wir uns auch damit beschäftigen, was kleine Kinder (insbesondere Jungs) dazu bringt, von jedem Spaziergang einen Stock mitzubringen, d.h. wir werden uns auch mit ausgewählten Aspekten der Entwicklungspsychologie beschäftigen.

GEDULDIG UND VIELSEITIG
Papier und Pappe Fr/Sa 1./2. Oktober 2010

Sich mit Papier zu beschäftigen bedeutet, dass die Ideen eigentlich nie ausgehen können. Kaum ein Material sonst, das so geduldig alles mitmacht und dem Forscherdrang von Kindern so entgegenkommt, wie das Papier. Erwachsene dagegen erleben Papier als allzu bekannt. Deshalb werden wir uns den Heraus-forderungen stellen und neue Wege im Gestalten mit Papier beschreiten: drauf kleckern, kleben, zerknüllen, glatt streichen, bemalen, alles wieder abwaschen, trocknen, reparieren, ausschneiden, wieder zusammenfügen, schichten, spalten... Und erst die Pappe. Da ergeben sich noch mehr Möglichkeiten, die erkundet werden wollen. Schließlich kann man aus altem Papier und alter Pappe auch noch etwas ganz Neues schöpfen.

LINIEN IM RAUM
Schnur, Draht, Faden Fr/Sa 29./30. Oktober 2010

Kordel, Taue, Bindfaden, Schnüre, Faden und auch Draht – all diesen Materialien ist die lineare Form gemeinsam. Bei der Beschäftigung mit ihnen befinden wir uns auf einer anderen Ebene wieder beim Zeichnen. Nur dass diesmal die Bewegung im Raum dazu kommt. Fäden verwirren, wenn man sie anhäuft, sie sind leicht zu durchschauen, wenn man sie gerade zieht, spannt man sie straff, geben sie sogar Töne von sich. Man kann etwas (oder jemanden) umgarnen, umschnüren, umwickeln. Man kann Fäden verweben, sodass flexible Flächen entstehen, man kann ihre Linien im Bild festhalten. Experimentierfreude und die Anwendung der Erfahrungen, die in früheren Abschnitten gemacht wurden, lassen das Spiel mit Schnur, Draht und Faden zu einem spannenden kreativen Prozess werden.

WEGE ZUM MALEN 2
Farbe, Form, Struktur, Leuchtkraft Fr/Sa 26./27. November 2010
Mit Farbe haben wir im ersten Abschnitt sozusagen als Einstieg experimentiert. Das ist aber nur ein kleiner Teil des Malprozesses. Dazu gehören noch viele weitere Aspekte wie z.B. Farben differenziert wahrnehmen, Formen erkunden, Strukturen erforschen, die Leuchtkraft ausloten. Ausprobiert wird auf unterschiedlichen Malgründen (Pappe, Papier, Nessel, Leinwand, Plastik, Holz…), mit verschiedenen Malmaterialien und Techniken. Gleichzeitig lernen wir Methoden kennen, wie schöpferische Prozesse angeregt werden können, wie man „Hänger“ gezielt überwindet. Die eigenen Erfahrungen werden reflektiert und Informationen zum sachgemäßen Umgang mit dem Material zusammengestellt. Darüber hinaus wird der Umgang mit Kindern, die früh frustriert wurden, breiten Raum einnehmen.

WER HAT ANGST VOR KUNST?
Kinder im Museum Fr/Sa 21/22.. Januar 2011
Man hat schon viele Erwachsene, aber noch kein Kind gesehen, das vor moderner Kunst zurückgeschreckt wäre. Deshalb geht es in diesem Abschnitt vor allem darum, die eigenen Vorbehalte mit ungewöhnlichen Werken zu konfrontieren. Dazu werden wir Bilder betrachten, eine Galerie besuchen und – wenn möglich – auch in ein Künstleratelier gehen. Die eigenen Sehgewohnheiten, der persönliche Zugang zur Kunst werden reflektiert. Ziel ist eine Erweiterung der eigenen Kompetenz in diesem Bereich, um dann unterschiedliche Methoden kennen zu lernen, wie man mit Kindern Kunst betrachten und vertiefen kann.

Projektberatung 1 Fr 25. Februar 2011

Projektberatung 2 Fr. 25. März 2011

Abgabe der Dokumentation
Fr 15. April 2011

Präsentation und Abschluss Fr/Sa 20./21. Mai 2011