Kooperationen
Zum Gelingen der Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher tragen Fachschule und Fachpraxis gemeinsam Verantwortung. Dieser Satz ist so wahr wie leider aber immer noch zu wenig realisiert. Seit diesem Jahr ist den EvA mit Hilfe der EKHN ein großer Schritt gelungen, um immer mehr aus Anspruch Wirklichkeit werden zu lassen:
Sechs sogenannte Konsultationskitas erhalten von der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau monatlich zusätzlich fünf Personalstunden für ihre Ausbildungsaufgaben und mehrere Lehrkräften der EvA wird ein zusätzliches Stundendeputat für diese Zusammenarbeit anerkannt.
Damit wird ein Projekt gestartet, das zu einer intensiveren Kooperation der beiden Ausbildungsorte Schule und Kindergarten führen soll.
Zunächst sind die beiden neuen Klassen der Unterstufen der Fachschule beteiligt. Im Rahmen des Kernteams wird mit den Erzieherinnen gemeinsam Unterricht geplant und findet Unterricht in den Einrichtungen statt. Beide Gruppen haben sich auf die gemeinsame Bearbeitung der Schlüsselthemen »Beobachtung« und »Lebenswelt der Kinder« geeinigt. Für die Realisierung werden unterschiedliche Wege erprobt.
Zum Beispiel »Beobachtung«
Erzieherinnen, Lehrerinnen und Studierende planen gemeinsam Hospitationstage in den Konsultationskitas, um Beobachtungsfähigkeit zu schulen und zu reflektieren. Es gibt sowohl Aufgaben zur Beobachtung einzelner Kinder als auch zur Interaktion zwischen Erzieherin und Kind. Wieder in der Schule spielen Studierende und Erzieherinnen beobachtete Szenen vor, um sie anschließend gemeinsam auszuwerten. Dabei geht es sowohl um fachliche Aspekte des Erzieherverhaltens als auch um Emotionen, die sich in der Beobachterin abspielen. Weil die Erzieherinnen mit anwesend sind, helfen Hintergrundinformationen zu einem tieferen Verständnis und werden erste Erfahrungen in kollegialer Beratung gesammelt.
Zum Beispiel »Lebenswelten von Kindern«
Weil sich die gemeinsame Planung mit den Studierenden bewährt
hat, soll auch dieses Schlüsselthema in der gleichen Runde vorbereitet werden. Die Teams der Konsultationskitas überlegen sich zur Zeit, welchen Ausschnitt der Lebenswelten ihrer Kinder sie besonders unter die Lupe nehmen wollen.
Zum Beispiel: Was hilft Familien, die neu hinzugezogen sind, um heimisch zu werden
Ein Familienatlas sozusagen, der über all das informiert, was für Eltern und Kinder im Ort wissenswert ist. Oder: Eine Spielplatzüberprüfung aus Kindersicht: Welche Spielplätze sind für Kinder gut und welche müssten dringend neu gestaltet werden?
Der 10. Kinder- und Jugendbericht spricht von sog. Kinderberichten, die Kommunen haben sollten und an deren Entstehen sich gerade die Kindergärten beteiligen könnten. - Mal seh'n, vielleicht gelingt es mit vereinter Hilfe (Erzieherinnen, Studierenden, Lehrkräften - möglicherweise auch Eltern) Teile eines solchen Berichtes zu erstellen. Dann hätten wirklich alle etwas davon: Die Erzieherteams, die das »schon immer mal machen wollten, aber nie dazu kamen«, die Studierenden, die »in echt« Methoden entwickeln und erproben können, wie man herausfindet, wie Kinder und ihre Familien leben und was sie brauchen und die Lehrkräfte, die sich nicht immer fiktive Untersuchungen überlegen müssen, die viel Arbeit aber - seien wir ehrlich - zu wenig Gewinn bringen.
Zu den Konsultationskitas gehören inzwischen über 15 Kindertageseinrichtungen. Verabredet wurde eine Zusammenarbeit auf vier Jahre, danach Überprüfung und Neuentscheid über die weitere Kooperation.
Wir können allerdings schon nach kurzer Zeit sagen, dass diese Zusammenarbeit zu einer Belebung der Ausbildung führt.
Mike Breitbart
(Koordination Konsultationskitas)



